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Theoretisch konnten alle Universitätsangehörigen, im Karzer landen, aber in erster Linie waren es Studenten, die wegen typisch studentischer Vergehen wie unerlaubtem Glücksspiel oder Lärmen, Schlägereien und Trinken auf der Straße einsaßen. Sie verbrachten einen Teil ihrer langen Tage damit, sich auf den Karzerwänden zu verewigen. Inschriften, Monogramme und Kritzeleien befinden sich bereits auf dem ältesten Verputz an der Wand unter den Fenstern und reichen bis in die Anfänge des Karzers. Vor allem in der ersten Zelle finden sich eine ganze Reihe kleiner Strichmännchen, von denen eines sogar am Galgen hängt. Man kann davon ausgehen, dass sämtliche Wände komplett mit Bildnissen und Inschriften aller Art bedeckt waren, von denen die Restauratorinnen des 20. Jahrhunderts nur solche als Beispiele sichtbar gemacht haben, die harmlos genug sind, um sie einer Schulklasse zeigen zu können.
Der Universität waren die unsittlichen Schmierereien jedenfalls irgendwann zu viel, und beauftragte 1736 den „akademischen Bürger“ und „Kunstmaler“ Johann Gottfried Schreiber (1674–1743), die Karzerwände so auszumalen, dass jegliches Gekritzel damit in Zukunft verhindert würde. Schreiber sollte sämtliche Kritzeleien mit Bildern übermalen, die zu Reue und Buße gemahnen. Jetzt schmücken die Karzerwände biblische Szenen wie die von der Rückkehr des verlorenen Sohnes, Szenen aus der Antike, Alltagsszenen, Sinnsprüche, Sonne, Mond und Sterne und zahlreiche Engel.
Im Jahr 1845 wurden in der Neuen Aula schließlich neue Karzer eingerichtet, zwei Jahre später verkaufte die Universität das Haus in der Münzgasse an die Stadt, die es aufstocken lässt und dort eine Schule für Mädchen einrichtet. Erst 1952 wurde der Karzer restauriert und unter Denkmalschutz gestellt.
Standort: Karzer, Münzgasse 20, Universitätsstadt Tübingen
NameWandmalerei
Zeichnungen und Graffiti im Karzer
DepartmentGemäldesammlung der Universität
Künstler*in
Johann Gottfried Schreiber
deutsch, 1674 - 1743
Date1736
DescriptionDie Universität Tübingen war eine eigenständige Körperschaft und verfügte deshalb auch über eine eigene Gerichtsbarkeit. Dazu gehörte ein akademisches Gefängnis, das sich passenderweise im Keller der Juristischen Fakultät befand. Das Gebäude entstand im Jahr 1491; 1515 wurde der „Carzer“ eingerichtet: Zwei hintereinander liegende Zellen mit Tonnengewölbe, nur etwa sieben Quadratmeter groß, mit kleinen, vergitterten Fenstern und zwei Meter dicken Mauern. Es war dunkel, feucht und kalt. Theoretisch konnten alle Universitätsangehörigen, im Karzer landen, aber in erster Linie waren es Studenten, die wegen typisch studentischer Vergehen wie unerlaubtem Glücksspiel oder Lärmen, Schlägereien und Trinken auf der Straße einsaßen. Sie verbrachten einen Teil ihrer langen Tage damit, sich auf den Karzerwänden zu verewigen. Inschriften, Monogramme und Kritzeleien befinden sich bereits auf dem ältesten Verputz an der Wand unter den Fenstern und reichen bis in die Anfänge des Karzers. Vor allem in der ersten Zelle finden sich eine ganze Reihe kleiner Strichmännchen, von denen eines sogar am Galgen hängt. Man kann davon ausgehen, dass sämtliche Wände komplett mit Bildnissen und Inschriften aller Art bedeckt waren, von denen die Restauratorinnen des 20. Jahrhunderts nur solche als Beispiele sichtbar gemacht haben, die harmlos genug sind, um sie einer Schulklasse zeigen zu können.
Der Universität waren die unsittlichen Schmierereien jedenfalls irgendwann zu viel, und beauftragte 1736 den „akademischen Bürger“ und „Kunstmaler“ Johann Gottfried Schreiber (1674–1743), die Karzerwände so auszumalen, dass jegliches Gekritzel damit in Zukunft verhindert würde. Schreiber sollte sämtliche Kritzeleien mit Bildern übermalen, die zu Reue und Buße gemahnen. Jetzt schmücken die Karzerwände biblische Szenen wie die von der Rückkehr des verlorenen Sohnes, Szenen aus der Antike, Alltagsszenen, Sinnsprüche, Sonne, Mond und Sterne und zahlreiche Engel.
Im Jahr 1845 wurden in der Neuen Aula schließlich neue Karzer eingerichtet, zwei Jahre später verkaufte die Universität das Haus in der Münzgasse an die Stadt, die es aufstocken lässt und dort eine Schule für Mädchen einrichtet. Erst 1952 wurde der Karzer restauriert und unter Denkmalschutz gestellt.
Standort: Karzer, Münzgasse 20, Universitätsstadt Tübingen
MediumSeccomalerei in schwarz-weiß auf Kalkputz
Object numberMUT-Gs-35
Exhibitions
nach 27. Febr. 1607
nach 1777
440/430 v. Chr.
7.–6. Jh. v. Chr.
1970
vor 1945
nach 7. Jan. 1590
1999, Original um 1946
zwischen 1572 und 1586
bald nach 335/4 v. Chr. (Original);
1997/1998 (Modell)
714/715
eventuell 1965 (Quelle: Werbung Zeitschrift: Geographica Helvetica)