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Epitaph für Johannes und Johann Rudolf Osiander
Epitaph für Johannes und Johann Rudolf Osiander
ObjektgattungEpitaph

Epitaph für Johannes und Johann Rudolf Osiander

Datierungnach 18. Okt. 1724
Beschreibung1724 verstarb mit Johannes Osiander ein Professor der Universität. Sein Grabmonument befindet sich in der Vorhalle rechts des Portals an der Westwand. Das steinerne Gedächtnismal erinnert zugleich auch an den Sohn, der ebenfalls als Professor in Tübingen lehrte. Osiander war Professor für Griechisch und Philosophie und verstarb am 18. Oktober 1724. Er war Geistlicher Rat der Könige von Polen und Schweden, geheimer Rat des Herzogs von Württemberg und Prälat des Klosters Hirsau.

Nur ein Jahr nach ihm verstarb am 21. Oktober 1725 sein einziger Sohn, Johann Rudolf Osiander (1689–1725), Professor für Hebräisch und Theologie, im Alter von 36 Jahren. Das gemeinsame Monument auf einem Sockel wird von dem ovalen, durch einen Lorbeerkranz gerahmten Inschriftenfeld mit den Lebensdaten und Ämtern
der Verstorbenen dominiert: „Die Erinnerung an beide bleibe in ewigem Lobpreis erhalten.“ Seine „schönsten Lorbeeren“ hatte sich Johannes Osiander – laut Westermayer – dadurch errungen, dass er die Plünderung Tübingens durch den französischen General Peysonnel 1688 verhinderte. Er ritt diesem mutig entgegen und vermochte durch gutes Französisch und rednerische Gewandtheit jenen umzustimmen.

Während der Vater seine Lebenszeit ausschöpfen und sich durch zahlreiche Verdienste auszeichnen konnte, war dem Sohn Johann Rudolf weniger Zeit gegönnt. Die Inschrift deutet an, was er hätte leisten können, als „reichbeglückter Erbe der väterlichen Tugenden und Verdienste“. Die ersten Worte „Steh!, Wanderer, und lies auf diesem Stein“ wenden sich direkt an den Leser. Hierin könnte wieder ein Hinweis auf den ursprünglichen Standort des Monuments zu erblicken sein. Die Inschrift nennt zudem die Bestattung des Johannes Osiander in „drei Schritte“ Entfernung vom Gedächtnismal. So befand sich dieses möglicherweise einst im Außenbereich der Kirche, etwa an der Kirchenmauer mit dem Grab in unmittelbarere Nähe. Johann Rudolf Osiander ist, so berichtet die Inschrift, an der Seite seines Vaters bestattet. Unter dem Textfeld mahnt der Totenkopf an den allgegenwärtigen Tod. Jedoch sind die neben dem Schädel wachsenden Ähren wohl ein Hinweis auf dessen Überwindung, ein Zeichen für Auferstehung und ewiges Leben.


Standort: Stiftskirche Tübingen, Vorhalle, rechts vom Eingang, Westwand.
MaßeH x B: 220 × 95 cm
MaterialStein
Objektnr.ELK-Sg-96
Ausstellung