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ObjektgattungSkulptur

Pi Chacán

Künstler*in peruanisch, geboren 1948
Datierung2001
BeschreibungAuf dem Tübinger Schnarrenberg wurde im Jahr 2000 die HNO-Klinik sowie das gegenüberliegende Institut für Mikrobiologie und Virologie neu gebaut. Davor wurde eine abgestufte Freifläche angelegt, die zum weiter oben liegen den Anatomischen Institut führt. Diese Fläche bietet Platz für mehrere Kunstwerke. Im Zuge der Klinikneubauten trat die Kunstkommission zusammen. Am 5. Oktober 2000 entschied sie sich für den Ankauf einer Skulptur des peruanischen Künstlers Fernando de la Jara (*1948). Der in Lima geborene Autodidakt lebt seit 1987 teils in Deutschland, teils in Peru. Seine Skulptur fand vor dem Eingang des Instituts für Mikrobiologie und Virologie Aufstellung.
Das Kunstwerk besteht aus einem 32 Tonnen schweren roten Veroneser Marmorblock. Solche Monolithe, die teils bearbeitet und teils naturbelassen sind, findet man in verschiedenen Kontexten. Sie kommen weltweit als Naturphänomene und Kulturdenkmäler in unterschiedlichen Landschaften und Regionen vor. Da sie rar sind, ranken sich oft Legenden und Mythen um sie. Nicht selten dienten sie als Kultorte, wo hypothetische oder tatsächliche Rituale vollzogen wurden.
Durch Farbe und Form der Tübinger Skulptur formiert sich schnell der sinnliche Eindruck einer weiblichen Vulva. Die Skulptur ist vom Künstler als ein Tor zur Welt gedacht. Er taufte sie deshalb mit dem hybriden Namen „Pi Chacán“. Das Pi leitet sich vom griechischen Buchstaben π ab, der wie eine Türe aussieht. Dagegen stammt das Wort „Chacán“ aus einer indigenen Sprache des Andenraums, die über viele Ländergrenzen hinweg in Südamerika gesprochen wird und unter der Bezeichnung Quechua firmiert. Mit „Chacán“ als Begriff verbindet sich eine Polysemie. Zum einen beschreibt man so einen Ort, an dem das Wasser sich einen Weg durch einen Felsen oder Berg bahnt. Zum anderen hat es auch die Bedeutung „Liebe machen“. Deutlich wird an diesem Kunstwerktitel der Versuch des Künstlers, durch die Möglichkeiten der Hybridbildung, Fremdes und Heimisches, Europa und Lateinamerika zu verbinden, aus unterschiedlichen Kulturen und Regionen eine Synthese, etwas Neues zu bilden – so arbeitet er als Brückenbauer. Mit seiner Skulptur setzte Fernando de la Jara der Sinnlichkeit und dem Eros ein Denkmal.

Standort: Institut für Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten, Elfriede-Aulhorn-Straße 6
MaßeH x B x T: 400 × 160 × 170 cm
MaterialRoter Veroneser Marmor
Objektnr.VBA-Sg-20
Ausstellung
Kartenhaus
Sophia Wonner-Mruck
2001
Ohne Titel
Torben Ebbesen
2002
Ohne Titel (Drei Metallskulpturen)
Brigitte Matschinsky-Denninghoff
1966
Aktion
Reinhard Scherer
1979-1980
Ohne Titel (Mosaik)
Inge Vahle
1966
Hygieia
Gerhard Halbritter
nach 1962
Zuhörer
Alfred Lörcher
1959
"Viel leicht"
Albrecht Schmidt
2002
Bildnis des Ernst von Sieglin
Karl August Donndorf
1929
Ohne Titel (Mobile)
Karl Langenbacher
1959
Die sieben Säulen der Weisheit
Karl-Heinz Knoedler
1956/ 57
Im Gleichgewicht
Claus Bury
2001
Lichtwärts
Ulrich Kottenrodt
1956
Familie
Rosemarie Sack-Dyckerhoff
1960